| Ich
mag kein Nasi mehr - Reingard in Sumur |
Reingard Kess - Ungekürzter Projektbericht
7.1. 2004
7:00 Uhr. Nach vier Stunden aufwachen in Jakarta, Siff
Dreck Lärm. Ich will weg. Volker hat noch Termine.
Bali liegt hinter mir, und es geht auf ins Feld. Jakarta
ist immer wieder eine scheussliche Zwischenstation.
Beim Frühstück im Yauda wird mir fast übel,
Volker ist hektisch, ich müde. Es gibt noch soviel
zu erledigen. Also ich arbeite weiter an dem BMZantrag
, letzte emails und warten auf die Abreise. Der Versuch
Mittag zu essen wird als gescheitert erklärt und
um 14:00 Uhr steigen wir in das Auto, das uns nach Sumur
bringen soll.
Das Driverduo sind Vater und Tochter. Warum machen Deutsche
solche Arbeit in Indonesien, ist doch bekloppt, erst
recht wenn kein Geld dabei verdient wird. Mit dieser
Diskussion vertreiben wir uns den Stau heraus aus Jakarta.
In Jakarta werden Schwimmwesten für Kinder verkauft,
weil man mit der Sintflut rechnet und beim letzten mal
wohl diverse ertrunken sind.
Dann beginnt Papa ganz indonesisch- eigentlich wohl
global – seiner Tochter
Hinweise zum besseren Autofahren zu geben. Dies vertreibt
weitere Stunden. Etwa zwei Stunden vor unserem Ziel
wird unserem Fahrerteam klar worauf sie sich eingelassen
haben. Sie hatten keine Ahnung wo Sumur liegt und es
entsteht etwas Anspannung im Auto. Es wird dunkel und
ein unglaublicher Sonnenuntergang kündigt sich
an. Es braucht noch eine Weile und unser Duo beginnt
die Fahrt als Herausforderung zu nehmen. Papa war noch
nie so weit weg von Jakarta !
Erschöpftes Ankommen gegen 20:00 Uhr in Sumur.
Edi begrüsst uns mit Kokosnüssen auf dem AGM
Gelände. Das Gästehaus und das Büro und
überhaupt, das was ich im Dunkeln sehen kann ist
super !
Eine Runde Nasi, ein bisschen laufen und dann ins Bett.
Mal sehen wie die erste Nacht wird.
8.1.2004
So sehr früh aufgewacht, konnte nicht wieder einschlafen.
Meine persönlichen Wünsche kreisen durch den
Kopf. Du bist hier zum arbeiten. Kekse und Tee zum Frühstück.
Spülung im Klo wieder in die Gänge gebracht
ein bisschen herumgeschaut und das Gästehaus ist
immer noch sehr schön. Die Sonne strahlt und Ibu
Orang Barat wird herumgereicht. Embay und Edi haben
endlos viel Besuch, da das neue Kind angekommen ist.
Gummistiefel und Schuhe für die Kinder abgeben
(endlich etwas mehr Luft im Rucksack).
Nach dem „Arbeiteraufstand“ (alle haben
aufgehört zu arbeiten) hat Edi zwei neue Männer
für den Pick up eingestellt und einen neuen für
das Kompostprojekt von den Frauen. Alle begrüssen
und erst mal verstehen, was überhaupt genau vorgefallen
ist. Die Arbeiter, vermutlich hauptsächlich Edong,
wollten mehr Geld haben. Das ist nicht da, also sind
sie weg. Edi kommt zum Office und wir Sammeln erst mal
alle Punkte, die es in den nächsten Tagen zu klären,
zu lösen und zu arbeiten gilt.
Auf zur zweiten Besuchsrunde: Ziege und Schaf werden
hübsch vor meiner Nase geschlachtet (klasse -das
auf meinen Magen…) alles für das neue Kind,
gibt dann später Sate.
Also husch zurück zum Office, es soll zum ersten
Treffen mit den Mädels kommen.
Zu diesem Treffen kommen nur drei. Das sind doch weniger
als ich erwartet habe. Es stellt sich heraus, dass jede
Menge Misstrauen, Missverständnisse und Mädchenzickereien
einem guten Arbeiten noch im Wege stehen. Also Geduld…
Zum Sonnenuntergang auf den Mülltrennplatz, eigentlich
zur Entspannung aber: oh je, die alten haben gekündigt,
die neuen haben es falsch gemacht und alles in die Kompostlöcher
geschmissen. Riesenproblem, die Jauche muss morgen wieder
rausgeschaufelt werden. Oh nee…
Also gut, auf zum Mundi und dann zum Sate. Wenn ich
schon zuschauen musste beim schlachten, dann will ich
es wenigstens auch essen.
Nach dem Essen ernste Planungsgespräche mit Edi,
über einen Mauerbau den Pital vornehmen möchte,
über unsere Arbeit mit AGM und über den Frauenverein.
Edi hat sich verändert, ich glaub er wächst
sehr mit seinen Aufgaben. Aber er muss hier ja auch
alles sein: Handwerker, Personalleiter, Koordinator,
Administrator und nicht zuletzt Familienvater.
Es wundert mich manchesmal wieso das Ganze hier überhaupt
so gut funktioniert.
Ach ja, der Tischler war zwischendrin auch noch da,
weil der Schreibtisch, den er für das Gästehaus
gebaut hat, geschimmelt hat und das geht ja nun nicht.
9.1.
Es gibt Orte an denen ich lieber wäre. Ich habe
wieder intensiv geträumt. Diesmal so gar nichts
schönes. Ich fühle mich total gerädert.
Volker weckt mich, um 8:00 soll Lukman schon da sein.
Einer der Arbeiter, die gegangen sind und der gerade
reuhemütig zurückkehrt. Ich bin dafür
ihn wieder einzustellen, wenn es sich gut anfühlt
und er eine saubere Arbeitsbeschreibung anfertigt. Dimas
(Edis 2. Sohn) vertreibt mir die Zeit mit indonesisch
lernen. Mit Kindern macht das richtig Spass.
Dann geht es auf zu Eman. Ich brauche für die Treffen
mit den Frauen einen Übersetzer. Eman gehört
zu den wenigen, die hier Englisch sprechen und so werde
ich ihn fragen, ob er für mich übersetzt in
den Treffen.
Bei dem ganzen Gespräch sitzt er mir gegenüber
und krault sich die Eier, nun islam way of talking.
Als ich später mit Edi darüber spreche, lacht
der sich krumm. Na klasse, trotzdem haben wir verabredet,
dass er am Montag im Treffen übersetzen soll. Zurück
zum AGM –Büro. Wir stimmen überein,
dass Lukman wieder eingestellt werden soll und bereiten
einen Plan mit Arbeitszeiten für die unterschiedlichen
Bereich vor.
So weit so gut.
Auf zum Lunch: Mi Ayam… noch ganz ok. Nach dem
Essen ..huraa Strand. Eine Stunde auf Wasser schauen,
schwimmen gehen. Anschliessend zum Namensgebungsritual
zurück zu Edi und Embay. Männer beten und
singen, die Kinder und ich machen Quatsch. Meine Stirn
pellt sich inzwischen als wollte ich mich dem Hautkrankheitsstatus
von Sumur anpassen. Zurück zum Office ein wenig
Arbeit… und nochmal an den Strand. Fast den ganzen
Sonnenuntergang. Zurück zum AGM, Magreb Kaffeetrinken
und dann zu Edi und Embay, ich krieg Gurken und Tomaten…huraa.
Jetzt singen und beten die Frauen.
Diskusi mit Edi über die Korruption, dass die Regierung
Geld zusagt, weniger auszahlt und zusätzlich noch
was in deren Taschen landet.
Es drängen sich neue Termine auf. Wir müssen
grundsätzlich mit IBU Hadschi sprechen wegen der
Frauen Yayasan. Mein Hirn beginnt zu kreiseln. Morgen
hat Volker Geburtstag, ich verabrede mit Edi ein Geburtstagsdinner.
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